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Gastvorträge des Ägyptologie-Forums im Frühjahrssemester 2018

1. Götterikonographie: Besondere Körperformen als Zeichen der Göttlichkeit.

Datum:Do, 8. März 2018
Zeit, Raum:18:00 Uhr, UZH Zentrum, KO2-F-123
Referentin: Dr. Maya Müller (Basel)

Woran erkannten die Ägypter ihre Gottheiten? Welche Zeichen und Merkmale sagten ihnen, wen sie vor sich hatten?
Die mächtigsten Gottheiten zeichnen sich durch hohe Kronen mit langen Federn und Hörnern, oft auch durch Tierköpfe aus; sie bewohnen die grossen Tempel zusammen mit den –gleichermassen göttlichen – Königen. Ihre Gestalt ist imponierend, distanzierend und ehrfurchtgebietend. Am unteren Ende der Skala finden wir Personen, die einstmals (nicht-königliche) Erdenbewohner waren, im Jenseits aber einen beachtlichen Grad an Göttlichkeit erlangt haben. Man sieht es an ihrer osirianischen Mumiengestalt, oder an Farbe und Musterung ihrer Kleider. Sie sind die für die Lebenden zugänglichsten Gottheiten, da man in der Opferkapelle der Gräber jederzeit mit ihnen kommunizieren kann.
Ganz anders die Gottheiten, die man an ihrer besonderen körperlichen Beschaffenheit erkennt. Es geht vor allem um kindliche oder jugendliche Gestalt, Zwergengestalt, schwangeren Leib, Fettleibigkeit, Nacktheit und Frontalansicht (in Relief und Malerei). Diese Anzeichen sind nicht eindeutig, es braucht zwei oder drei auf einmal, um eine Gottheit zu kennzeichnen, wie Bes, Thoeris, Horus auf den Krokodilen, Qedeshet, die nachte Göttin im Boot, etc. Ihren besonderen Charme und grosse Beliebtheit bei allen Schichten der Bevölkerung macht aus, dass diese Gestalten die Gefühle ansprechen und in öffentlichen Kapellen wohnen, wo die Leute sie mit Votivgaben um ihren Beistand bitten können.


2. Königsnamen in 3D: die Bedeutung der sogenannten Rebus-Statuen

Datum:Do, 12. April 2018
Zeit, Raum:18:00 Uhr, UZH Zentrum, KO2-F-123
Referentin: Prof. Dr. Alexandra Verbovsek (HU Berlin)

Kryptographie spielt in Ägypten eine wichtige Rolle. Dies gilt nicht nur für die Schrift, sondern auch für die bildlichen Darstellungen. Eine kleine, aber besondere Gruppe bilden die sog. Rebusstatuen, dreidimensionale Bilder, die den Namen eines Königs oder einer Königin in verschlüsselter Form wiedergeben. Der Name kann entweder vollständig durch die Statue ausgedrückt werden oder einen Bestandteil der Statue bilden. Der Vortrag bietet Einblicke in ein aktuell laufendes Projekt, das die Bedeutung und Funktion dieser Objektgruppe in den Blick nimmt. Erste Ergebnisse werden exemplarisch an einzelnen Stücken vorgestellt und diskutiert.


3. Zurück zum Anfang: Neue Einsichten zum Tempel von Heliopolis

Datum:Do, 7. Juni 2018
Zeit, Raum:18:00 Uhr, UZH Zentrum, KO2-F-123
Referent: PD Dr. Dietrich Raue (Leipzig)

Die ägyptisch-deutschen Ausgrabungen im Tempel von Heliopolis befassten sich im vergangenen Jahr vor allem mit dem Kontext der Kolossalstatue Psammetich I. (664 – 610 v. Chr.), die im März 2017 am westlichen Tempeleingangsbereich (Areal Suq el-Khamis) entdeckt worden war. Hierbei wurden weitere Hinweise auf den Rahmen des Ramessidischen Tempels, in den sich Psammetich stellte, lokalisiert. Im zentralen Gebiet stand die Erforschung des Tempels Nektanebos I. (380 – 363 v. Chr.) für Atum, Herrn von Heliopolis, und seiner Vorgängerbauten an diesem Teil des Temenos im Mittelpunkt des Interesses. Die späteste Phase der Tempelgeschichte wurde südwestlich des Obelisken in einem ptolemäerzeitlichen Quartier untersucht. Die Arbeiten innerhalb des von der Stadtentwicklung erheblich bedrohten Geländes wurden von dem Ägyptischen Antikenministerium in Zusammenarbeit mit dem Ägyptischen Museum der Universität Leipzig und der Hochschule Mainz durchgeführt, und von dem Ägyptologie-Forum Zürich unterstützt.