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Gastvorträge des Ägyptologie-Forums im Frühjahrssemester 2021

1. Zeitmessgeräte im Alten Ägypten

Datum:Do, 25. Februar 2021
Zeit, Raum:18:30 Uhr, digital
Referentin: PD Dr. Rita Gautschy (Basel)

Bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. ist in altägyptischen religiösen Texten von Gefahren die Rede, denen der Sonnengott auf seiner nächtlichen Reise durch die Unterwelt in jeder einzelnen Nachtstunde ausgesetzt ist. Demnach ist es auch nicht überraschend, dass die ältesten erhaltenen ägyptischen Zeitmessgeräte Sternuhren sind. Aus nur wenig späterer Zeit kennen wir dann aber auch die ersten Wasseruhren und Sonnenuhren, die auch tagsüber benutzt werden konnten.
Eine astronomisch/mathematische Analyse dieser Uhrentypen erlaubt es, die der Fertigung der Geräte zugrundeliegende Theorie zu eruieren und die potenzielle Genauigkeit dieser Instrumente zu bestimmen. Anhand erhaltener Texte aus dem Alltagsleben lassen sich zudem Hinweise auf die Genauigkeitsansprüche der damaligen Zeit ableiten. Ein Vergleich der Ganggenauigkeit mit diesen Ansprüchen ermöglicht eine Aussage darüber, ob die erhaltenen Zeitmessgeräte alltagstaugliche Instrumente waren oder nicht.


2. Auf der schwarzen Liste: Von Pharaos Feinden, Ächtungsfiguren und Vernichtungsfiguren

Datum:Do, 18. März 2021
Zeit, Raum:18:30 Uhr, digital
Referentin: Carina Kühne-Wespi (Heidelberg)

Aufzählungen von Feinden sind in unserer Gegenwart geläufiger, als man auf Anhieb vielleicht vermuten würde. Nicht nur das FBI führt eine offizielle Liste „Der zehn meistgesuchten Flüchtigen“, auch Sheldon Cooper (The Big Bang Theory), Arya Stark (Game of Thrones) und der Graf von Montechristo (Verfilmung USA 1979) listen ihre persönlichen Feinde mündlich oder schriftlich auf. Das Phänomen ist indes kein neues. Bereits aus dem Alten Ägypten sind zahlreiche Feindeslisten – sogenannte Ächtungstexte – aus vornehmlich königlichem Kontext bekannt, welche zum Teil äußerst ausführlich alle potentiellen Feinde Pharaos und des Staates aufführen. Diese altägyptischen Feindeslisten wurden auf Feindfiguren (Ächtungsfiguren) notiert, welche in Ritualen zerstört und die in den Listen genannten Feinde dadurch vernichtet wurden.
Der Vortrag soll der Frage nachgehen, wie solche staatlichen Vernichtungsrituale abliefen und wie sich diese Ächtungsrituale im Laufe ihrer 2500jährigen Geschichte entwickelten. Dazu werden archäologische Quellen und viele der gut 1400 bekannten Ächtungsfiguren besonders des Alten und Mittleren Reiches genauso berücksichtigt wie textliche und ikonographische Quellen der späteren Zeit.


3. Von Vor-, Zwischen- und Spätzeiten. Ägyptisch-Deutsche Grabungen in Heliopolis 2019 - 2020

Datum:Do, 6. Mai 2021
Zeit, Raum:18:30 Uhr, digital
Referent: PD Dr. Dietrich Raue (Leipzig)

15 Grabungskampagnen sind vergangen - und dennoch gibt es Zeiträume mit grossen Wissenslücken in der Geschichte des Sonnentempels von Heliopolis. Hierher gehört die allererste prähistorische Besiedlung. Die jüngsten Funde aus den Grabungen und Fundbearbeitungen von 2019 bis 2020 geben neue Einblicke in die Geschichte von Heliopolis im 4. Jt. v. Chr. Ähnliches Neuland wird mit einer Reihe von Befunden betreten, die das Ende des Neuen Reiches in ein unerwartetes Licht rücken. Und schliesslich wurde der Wettlauf der ägyptisch-deutschen Ausgrabungen mit der Zeit auch wieder mit einer Reihe von Funden bekrönt, die in diesem Vortrag vorgestellt werden.


4. Die vielen Gestalten des Gottes - Studien zum Thronnamen Tutanchamuns

Datum:Do, 10. Juni 2021
Zeit, Raum:18:30 Uhr, UZH Zentrum, KO2-F-152 EV
Referentin: Dr. des. Fabienne Haas-Dantes (Leipzig und Zürich)

Die weitgehend nur schwerfassbaren Jenseitsvorstellungen in der Periode des Übergangs von der Amarna- zur Nach-Amarna-Zeit lassen sich anhand mancher Objekte aus dem Grab des Tutanchamuns erahnen. Insbesondere der auf einigen Artefakten vorzufindende Thronname "Nebcheperure" liefert dazu erstaunliche Hinweise. Der Skarabäus galt schon seither als Symbol für den Sonnenaufgang und die umfassende Regeneration. Er bildet innerhalb des Könignamens das hieroglyphische Wortelement "cheper". Während der Amarna-Zeit begegnet man dem Bild des die Sonne hoch schiebenden Skarabäus nicht mehr. Allerdings erlebt der Sonnenkäfer unter der Herrschaft des Tutanchamuns seine Wiederkehr und Aufnahme in den bildlichen Darstellungen. Durch eine Variante, die Sonnenscheibe durch die Mondscheibe als Namenselement zu ersetzen, beinhaltet der Thronname des Königs zusätzliche Bedeutungen, die für den Wandel der theologischen Ausrichtung der Nach-Amarna-Zeit zentral sind.